| Schwangerschaftsverhütung | |||||||||||||||||||
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König Minos soll bereits im Jahre 1200 vor Christus eine Fischblase als Kondom benutzt haben. Erst mit der Möglichkeit einer reversiblen Schwangerschaftsverhütung wurde es den Frauen möglich, ihr Leben selbstbestimmend und freier zu gestalten und so Einfluß auf den Zeitpunkt einer gewollten Schwangerschaft und die Zahl der Kinder zu nehmen. Ungewollte Schwangerschaften und dadurch erzwungene Aborte sind bis heute ein Tabu-Thema unserer Gesellschaft. Die schweren sozialen Folgen einer ungewollten Schwangerschaft - alleinerziehende Mütter, Abbruch der Schul- und Berufsausbildung, Abhängigkeit von Sozialhilfe, erhöhte kindliche und mütterliche Morbidität und Mortalität, Kindesmißbrauch, Armut und sozialer Abstieg - sind bekannt. Mit Blick auf die nach wie vor hohe Zahl ungewollter Schwangerschaften und vorgenommener Schwangerschaftsabbrüche ist und bleibt die individuelle Information und Aufklärung darüber, wie Frauen die Möglichkeiten sicherer Kontrazeptionsverfahren handhaben können, die vordringliche Verhütungsmethode. Zwar kann sich zu diesem Thema längst jeder Laie mehr oder minder kompetent äußern, doch so einfach ist die Sache denn doch nicht. Die Zuverlässigkeit einer Methode ist abhängig von der korrekten Anwendung und wird als sogenannter Pearl-Index bezeichnet. (Pearl-Index = Zahl der ungewollten Schwangerschaften auf 100 Frauen bei Anwendung einer Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres.) An Verhütungsmittel werden heute hohe Anforderungen gestellt. Einfach und bequem in der Anwendung, unauffällig, gut verträglich und risikoarm, preiswert, langfristig anwendbar und schnell reversibel, mit hoher Sicherheit – so sollte nach Möglichkeit ein modernes Kontrazeptivum beschaffen sein. Es darf keine Nebenwirkungen hervorrufen und sollte positive Begleiterscheinungen besitzen. Dabei ist für eine gute Akzeptanz jeder Methode die umfassende Aufklärung der Frau, die diese Methode anwendet, entscheidend. Dennoch, nicht jede Verhütungsmethode ist für jede Frau optimal geeignet. Jeder Frau sollte deshalb klar sein, daß ihre Entscheidung für eine individuell geeignete Form nicht für alle Zeiten gilt und ggf. relativ leicht gewechselt werden kann. Im Leben einer Frau wandeln sich die Anforderungen an eine geeignete Kontrazeption auch mit dem Alter und den besonderen Lebensumständen bzw. dem Familienumfang. Welches Verhütungsmittel ist einer jungen Frau zu empfehlen, die später vielleicht Kinder haben möchte? In einer Zeit, in der sexuell übertragbare Krankheiten eine immer größere Rolle spielen, bedeutet die Verwendung eines Kondoms nicht nur Schutz vor ungewollter Schwangerschaft, sondern auch Schutz vor einer z.T. nicht heilbaren sexuell übertragbaren Infektion. Chlamydien, Herpes und Papillomvirusinfektionen, alle Formen der Hepatitisvirusinfektionen, Gonorrhoe, Syphilis – für einige davon gibt es heutzutage genausowenig therapeutische Ansätze wie für die HIV-Infektion. Den größten Anteil an Schwangerschaftsverhütung nehmen unverändert die Ovulationshemmer ("Pille") ein. Die seit 1960 bekannten Vorteile der "Pille" machen sie zum fast idealen Kontrazeptivum insbesondere für junge Mädchen und Frauen. Pearl-Index zwischen 0,03 und 1,4. Der Empfängnisschutz der Pille ist nur dann gut, wenn diese absolut zuverlässig eingenommen wird. Außer den kontrazeptiven Eigenschaften hat sie zusätzlich positive Effekte bei einigen Erkrankungen und Beschwerden wie Anämie, Dysmenorrhoe, prämenstruelles Syndrom, Endometriose oder Akne. Vor der Verordnung hormonaler Kontrazeptiva muß eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen und die Kontraindikationen ausgeschlossen werden. Speziell für Frauen, deren Kinderwunsch fürs erste erfüllt ist und die in einer stabilen Partnerschaft leben und nach einem bequemen und sicheren Langzeitkontrazeptivum suchen, ist die "Spirale" (Intrauterinpessar = IUP) aus meiner Sicht sehr gut geeignet. Pearl-Index zwischen 0,05 und 3. Die langjährige persönliche Erfahrung bei einem bis heute komplikationslosen Umgang mit dieser Methode zeigt, daß neben der Form des IUP es hier entscheidend auf die Auswahl der Patientinnen, das Einhalten der bekannten Regeln bei der Einlage und die Beherrschung der korrekten Insertionstechnik ankommt.
Sterilisation kann heute von Geübten ambulant durch Laparoskopie mit einem sehr geringen Risiko durchgeführt werden. Diese definitive Methode der Antikonzeption ist so gut wie dauerhaft mit einem Pearl-Index von 0,1. Weitere Methoden der Schwangerschaftsverhütung – "Notfall-Pille", Zyklusmonitoring, Portiokappe, Diaphragma, Frauenkondom, Hormon-Depots, lokal-chemische Mittel – werden in meiner Praxis ebenfalls angeboten und durchgeführt. Sie können auf Grund der relativ geringen Verbreitung und Nachfrage in der Praxis individuell erörtert werden. Als neue Methode wird Verhüten mit dem "Eierstopper" eingeführt: Eine Spirale aus Titan und Nickel stoppt Eizellen auf dem Weg zum Nistplatz. Nur ein kurzer, ambulanter Eingriff in Lokalanästhesie ist für diese Alternative zur Sterilisation notwendig. Hierbei wird ein "Stopfen" hysteroskopisch am isthmischen Teil der Tuben eingesetzt. Innerhalb von zwölf Wochen verschließt neugewachsenes Gewebe die Tuben und macht sie undurchlässig. Mit einem Pflaster, einem Vaginalring und einem Implantat stehen neue Alternativen zu bereits etablierten Methoden der Kontrazeption in Kürze ins Haus. Auch bei Antibabypillen sind Neuerungen zu erwarten. Die große Auswahl an verfügbaren Verhütungmöglichkeiten erlaubt heute für jede Frau zuverlässige individuelle Familienplanung und wäre bei rechtzeitiger Inanspruchnahme geeignet, die Zahl der ungewollten Schwangerschaften auf ein Minimum zu reduzieren. |
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